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D-A-CH-COMMUNITY-FRÜHSTÜCK:

Interaktiv, progressiv und konstruktiv

BERLIN – Motto des Frühstücks: World Café! Das Community Board hatte vorab vier Thementische (Cyber Security / EMRAM – passend für Deutschland? / eHealth Gesetz 2.0 – fit for digital / Gesundheitswesen – neu denken!) festgelegt, Moderatorenteams aus Anwender plus Industrie-Partner benannt und Vorbereitungen getroffen. Die Moderatoren behalten den Überblick, die Meute rotiert, um zu allen Bereichen Input zu liefern und mitzudiskutieren. Nach intensivstem Austausch, konstruktiven Diskussionen und einer Menge Kaffee wurden dann noch die Ergebnisse der Arbeitsgruppen durch ihre Moderatoren präsentiert. Diese möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:

Der Umgang mit IT-Sicherheitslücken muss sich verändern

Die Arbeitsgruppe zum Thema Cyber Security – was sollte ein Sicherheitsfahrschein für Kliniken beinhalten?“, unterstützt durch die Moderatoren Aladin Antic, CIO des KfH – Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V. und Florian Benthin von Deloitte, kam einstimmig zu dem Schluss, dass neben mangelnden Investitionen in neue IT-Systeme der Umgang von Anwendern mit der IT nach wie vor den größten Stolperstein für eine sichere IT bedeutet. Einigkeit herrscht darüber, dass IT niemals 100-prozentig sicher sein kann. Hier muss die Aufklärung für Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen gewährleistet sein – denn eine High-End-Firewall bringt nichts, wenn Mitarbeiter ohne nachzudenken auf E-Mail-Anhänge klicken. Diskutiertes Ziel: ein Positionspapier für IT-Sicherheit. So könnten sich auch Hersteller an Maßstäben, Beispielen und Konzepten orientieren. Mithilfe eines Papiers zum Thema IT-Sicherheit könnten im Krankenhaus, insbesondere beim Qualitätsmanagement und Vorstand, IT-Sicherheitsstandards mit einem anderen Selbstbewusstsein durchgesetzt werden.

„Die Deutschen wollen immer zu viel. Die Amerikaner sind da pragmatischer und kommen so schneller voran.“

So lautete die Feststellung eines Diskutanten in der Runde EMRAM – passend für Deutschland? Relevanz für die Geschäftsführungsebene!“. Henning Schneider, CIO des UKE in Hamburg, Europas erstem Stage 7 Krankenhaus, und Jörg Studzinski von HIMSS Analytics, führten durch die Diskussionen, in denen die Teilnehmer insgesamt ein positives Bild von EMRAM, gespickt mit konstruktiver Kritik, zeichneten. Neben der Tatsache, dass der Patientennutzen im Mittelpunkt steht, sei EMRAM ein verständliches Modell, das es ermöglicht, mit dem Krankenhausvorstand eine gemeinsame Sprache zu finden. Zudem ist es nicht nur ein reines IT-Instrument, sondern Tool für das Krankenhausmanagement, mit dem auf eine klare Zielsetzung hingearbeitet werden kann. Der internationale Charakter des Modells ermöglicht Vergleiche über den nationalen Tellerrand hinaus und kann damit wichtige Impulse für alternative und innovative Ansätze aus anderen Ländern setzen. Ein nationales Modell wurde, entgegen der offiziellen Verbandsmeinung, vor allem auch von den Anwendern ausdrücklich nicht gewünscht.

Und wo alle so gemütlich beieinander saßen, wurde direkt noch eine Wunschliste hinsichtlich der weiteren Entwicklung und Verwendung von EMRAM zusammengestellt. Wünschenswert wären u. a. Studien zum Return on Investment, die allerdings oft schwierig umzusetzen sind. Lieber auf die pragmatische – amerikanische – Art? Studien und Beispiele, die womöglich nicht allen wissenschaftlichen Kriterien genügen, aber relativ deutlich bestimmte Vorteile aufzeigen, sind doch eine Idee. Wir brüten ...

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Mauern einreißen und mehr Lösungen miteinander bauen, mit diesem Grundgedanken könnte man die Diskussionen des World-Café-Gesprächs zusammenfassen. Die Arbeitsgruppe eHealth Gesetz 2.0 – fit for digital unter der Leitung von Nikolaus Huss von KovarHuss ist eine der Schwerpunktaktivitäten der D-A-CH-Region.

An Wünschen und Ideen mangelte es nicht. Die Hidden Agendas der Interessengruppen sichtbar zu machen, war nur eine Forderung. Es fehle an verbindlichen Vorgaben der Politik, war ein immer wieder geäußerter Gedanke.

Vom Ausland lernen, Best Practice aus den anderen Ländern in die deutsche Debatte einbringen, ist eines der erklärten Ziele der Arbeitsgruppe. Ob die Schweiz alles besser kann, war auch unter den Schweizer Teilnehmern stark umstritten. Zu zufällig scheint bei näherer Betrachtung, wie das Schweizer Patientendossier (EPGD) auf den Weg gebracht werden konnte. Es kommt auch auf einen günstigen Moment an. Und: Auch das Schweizer Dossier, wiewohl Schlusslicht Deutschland voraus, befindet sich erst in einer Pilotphase. Also doch nur der glückliche Augenblick? Oder von Obamacare lernen? Lange, so einer der Teilnehmer, haben wir uns von den USA täuschen lassen, einer Top-Versorgung in Elitekliniken stehe eine flächendeckende Gesundheitsversorgung auf Dritte-Welt-Niveau gegenüber. Obamacare hat neue Strukturen geschaffen, viel Geld in die Hand genommen und mit den Accountable Care Organisations Impulse gesetzt. Steuerbarkeit lautet das Schlüsselwort. Nicht ein eHealth Gesetz 2.0, sondern eine Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen stünde an, forderte einer der Teilnehmer.

Eine Menge Input, auf den die Arbeitsgruppe, wie Nikolaus Huss in seiner Zusammenfassung hinwies, aufsetzen wird. Die Arbeitsgruppe wird im Mai on- und offline ihre Arbeit aufnehmen, Interessenten sind noch willkommen. Ergebnisse werden bis spätestens März nächsten Jahres vorliegen.

Prävention ist der Schlüssel

Mit Fokus auf Gesundheitswesen – neu denken!“ ging es unter der Leitung der Moderatoren Stefan Hunziker vom LUKS und Karsten Bachmann von der Firma B.Braun um die Potenziale der Digitalisierung in einer vernetzten Welt. Betrachtet man diesen Arbeitsauftrag aus einem „extremen“ Blickwinkel, hieße das im schlimmsten (oder im besten?) Fall, dass das Gesundheitswesen sich abschafft. Wie das? Im Idealfall werden die Menschen durch Präventionsmaßnahmen – aus dokumentierten, transparenten Erfahrungen lernen, eventuell teurere Behandlungen, auf die eine schnellere Reintegration folgt etc. – einfach nicht mehr krank. Okay, der Gedanke ist utopisch, denn wo Menschen sind, wird es immer auch Krankheiten geben. Dennoch zeigen die Ergebnisse der Diskussionen rund ums Thema neugedachtes Gesundheitswesen, dass mit vorausschauendem Eingreifen bzw. der Monitorisierung von Präventionsmaßnahmen Krankheitsbilder früher (wieder-)erkannt und entsprechend behandelt werden können. Mithilfe von Mustererkennung kann Wissen aus kleinen Populationen rasch aggregiert und Nutzen für die Population gestiftet werden. Doch woher wissen wir, welchen pragmatischen Wert Prävention für das Gesundheitswesen bzw. den Patienten hat? Es gilt, Wege zu erarbeiten, um genau diesen zu ermitteln. Mit Zahlen argumentiert es sich erfahrungsgemäß einfacher, wenn es darum geht, die Klinikleitung von für die Digitalisierung notwendigen Investitionen zu überzeugen ... Merke: Nur, was Nutzen stiftet, wird sich durchsetzen. Und wenn dann irgendwann einmal die Zeit kommt, dass weniger Menschen krank werden, kann man sich darauf schon jetzt mit neuen Geschäftsmodellen vorbereiten. Auch darüber freut sich das Klinikmanagement sicher.

Mit Abschluss dieses hübschen Überblicks über die Produktivität unserer Arbeitsgruppen bedanken wir uns noch einmal herzlich bei allen Diskutanten und Moderatoren. Wenn diese oder andere Themenschwerpunkte in Ihnen Emotionen wecken, freuen wir uns über Ihre Beteiligung an einem der nächsten D-A-CH-Community-Treffen oder jederzeit unter:
www.himssdachcommunity.org oder redaktion42@himss.org – sagen Sie uns Ihre Meinung!